Die Teilnehmer der Innovationszirkel I arbeiteten als Experten-Panel an Mini-SWOTs. Sie ermittelten, in welchen Bereichen in den nächsten 10-15 Jahren Innovationen im Automobilbau zu erwarten sind.

Bekannte Technik und Materialien und Kostenminimierung werden Themen bleiben. Die Bedeutung der Elektronik wird weiterhin zunehmen, sei das im Bereich der Komfort- und Unterhaltungselektronik, bei den Fahrerassistenz- und Navigationssystemen, bei der elektronischen Ansteuerung des Motors, beim Ersatz von Glühbirnen durch LEDs etc. Das Bus-Konzept wird sich weiter durchsetzen. Der Verbrennungsmotor wird so schnell nicht verschwinden, gerade auch weil die Kraftstoff-Infrastruktur hochgradig verfügbar ist, aber auch aus technischen Gründen (hoher Drehmomentanspruch, Drehzahlvarianz). Die Zuverlässigkeit von Autos wird zunehmen, und dafür auch die Diagnosefähigkeit. Ebenso wird weiterhin die passive Sicherheit ausgebaut. Die heute verwendeten Werkstoffe ermöglichen Haltbarkeit, Erscheinungsbild, Formenvielfalt und Materialmix ermöglichen. Solange sie gut verfügbar sind, werden sie sich wenig ändern.

Neue Lösungen sind nötig, um das Gewicht und damit den Verbrauch der Fahrzeuge zu reduzieren, denn die heutigen Anstrengung zur Gewichtsreduzierung reichen noch nicht aus. Der Kraftstoffkonsum ist noch zu hoch, damit auch die Schadstoffemissionen. Als Ansatzpunkte wurden etwa die heutige Übermotorisierung der Fahrzeuge und deren Dimensionierung für Crash-Situationen genannt, aber auch die schlechte Teillasteffizienz, der zu grosse Stromverbrauch im Auto und die Nebenantriebe, die häufig ineffizient sind. Auch die Komplexität des Autos gilt es zu meistern, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen, Totalausfälle zu vermeiden und die Störungsdiagnose zu unterstützen. Es wird gleichzeitig erwartet, dass die Vernetzung sowohl der Teilsysteme, insbesondere der aktiven Sicherheitselemente, aber auch die Kommunikation mit dem Umfeld (Strasse, andere Verkehrsteilnehmer) zunehmen wird. Die Abhängigkeit des Autos vom Erdöl wird zunehmend Thema, ebenso die Rezyklierbarkeit; Platzbedarf, Lärm oder Pneuverschleiss sind weitere Punkte, wo die Experten Innovation im Sinne ressourcenorientierten Wirtschaftens erwarten. Bei alledem bleibt der Preisdruck ein limitierender Faktor und damit verbunden die Herausforderung, Innovationen dieser Art in Nutzen für den Endkunden – also den privaten, gewerblichen oder institutionellen Autobesitzer – zu übersetzen.

Alternative Kraftstoffe und Antriebssysteme und aktive Sicherheit sind die wichtigsten Themen bei denen die Experten in den nächsten 10-15 Jahren neue Lösungen erwarten. Dabei stehen hybride und alternative Antriebstechnik mit geringerem Verbrauch im Vordergrund, welche – auch dank höherem Wirkungsgrad – die Fahrleistung jedoch nicht einschränken. Abgasreinigung und Lärmvermeidung werden das Auto umweltverträglicher machen. Verwendung leichterer und umweltfreundlicher, rezyklierbarer Materialien und Downsizing sollen diese Anstrengungen unterstützen. Aktive Sicherheit wird viele der heutigen passiven Sicherheitssysteme ersetzen, etwa durch Vorwarnsysteme rund ums Auto wie zum Beispiel Pre-Crash-Sensorik. Damit wird die Elektronik nochmals an Bedeutung zunehmen. Entscheidend ist dabei die Zuverlässigkeit und die Intelligenz der Elektronik. Gleichzeitig nimmt auch die Elektrifizierung der Aggregate zu – Getriebe, Instrumentierung werden als Beispiele genannt. Intelligente Energiezuweisung und ein verbesserter Wirkungsgrad der Stromproduktion sind erforderlich, um die Verbrauchsziele zu erreichen.

Wenig Chancen räumten die Experten dem Leichtfahrzeug ein (Stichwort “totales Plastikauto”) und dem fahrerlosen Auto. Die totale Pannen- und Unfallvermeidung wird in den nächsten 10-15 Jahren ebensowenig Realität, wie das 100 % rezyklierbare Auto oder die self-healing Karosserie. Auch die Brennstoffzelle, so glaubten die Experten, wird sich nicht so schnell auf breiter Basis durchsetzen.

Die Experten äusserten sich auch zur Nutzung des Autos. Individuelle Mobilität wird dabei immer im Vordergrund stehen, wobei das Auto weiterhin mehrheitlich im individuellen Besitz bleiben wird, denn es wird nach wie vor Image-Träger sein – sowohl im positiven wie im negativen Sinn. Das schliesst Objektivität beim Autokauf aus – nicht nur für Privatnutzer. Das Auto als “reine Commodity” ist damit ebensowenig realistisch, wie das Einheitsauto oder der vollständige Ersatz des Autos durch den öffentlichen Verkehr. Trotzdem wurde “Gebrauchen ohne Besitzen” Innovationspotenzial zugestanden. Die Experten erwarteten generell ein Sinken der Verkaufspreise, zum Teil gar ein deutliches Sinken (Stichwort 2000-Euro-Auto). Nicht auszuschliessen sei dabei eine starke Polarisierung in ein Luxus- und ein Billigsegment. Während Verkehrslenkung und Routenmanagement als Themen mit Entwicklungspotenzial gesehen wurden, aber sowohl totale aktive Verkehrslenkung als auch grenzenlose Mobilität erhielten von den Experten eine Absage.